Name: Karl-Heinz Busch
Alter: 53
Ausbildung: Versicherungsfachmann (BWV)
Tätigkeitsbeschreibung: Freier Finanzierungsberater, Seniorconsultant in der Bürogemeinschaft bkf-net.de
Motto: „Eine solide Finanzierung als Fundament für Ihr Zuhause“

Aktuell befinden sich die Bauzinsen ja in einem historischen Tief. Das bedeutet jedoch nicht, dass man sich als Bauinteressent nicht um weiteres günstiges Geld bemühen sollte. Stichwort staatliche Förderungsmöglichkeiten. Wir baten den Finanzexperten Karl-Heinz Busch, der die Bien-Zenker Bauberater und somit auch die Bauherrschaften bei Finanzierungsfragen unterstützt, für uns Licht in den Förderdschungel zu bringen.

Herr Busch, seien Sie uns als Interviewpartner herzlich willkommen! Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, die Frage: Ist ein Laie überhaupt in der Lage, alleine alle Fördermöglichkeiten für seine Baufinanzierung zu erkennen und passend für sich in Anspruch zu nehmen?

Busch: Sicherlich wird es dem einen oder anderen gelingen, sich Informationen aus diesem, wie Sie sagen Förderdschungel, herauszufiltern. Dabei sind aber viele Parameter zu berücksichtigen und die unterschiedlichsten Zugangswege zu beschreiten. So gelingt es dem Laien eigentlich meist nur ansatzweise, sich schlau zu machen. Und das auch nur, wenn er schon vorab Informationen über die Möglichkeiten hat und nur noch die Aktualität und Konditionen überprüfen möchte.

 

Ganz oben steht für viele die finanzielle Förderung durch die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Welche Programme kann man aktuell für den Neubau nutzen?

Busch: Hier sind aktuell folgende fünf Förderprogramme der KfW zu nennen. Und zwar die Programme 124 (Wohneigentumsprogramm), 153 (Energieeffizientes Bauen), 431 (Zuschuss Baubegleitung), 270 (Erneuerbare Energien, Standard) und 275 (Erneuerbare Energien, Stromspeicher).

 

Wer kommt in den Genuss dieser Fördergelder?

Busch: Nun, das sind eigentlich alle Baufamilien, die zur Eigennutzung bauen und auch ein KfW-Effizienzhaus bauen – wie sie Bien-Zenker übrigens generell anbietet.

Und von welchen Fördersummen sprechen wir hierbei?

Busch: Da geht es um Darlehen von 4.000, 5.000 über 50.000 bis hin zu 100.000 Euro und weitere Tilgungszuschüsse. Weil sich die Programme immer wieder ändern ist zu betonen, dass wir bei diesen Angaben von Stand 24. April 2018 sprechen.

 

Kann ich davon ausgehen, dass meine Hausbank mir alle die Förderprogramme der KfW aufzeigt und diese für mich „ausschöpft“?

Busch: Nein, leider begleitet unserer Erfahrung nach nicht jedes Finanzierungsinstitut die KfW-Förderprogramme und auch nicht unbedingt jede der möglichen Varianten.

 

Ganz generell gefragt: Empfehlen Sie den Leuten, KfW-Gelder in Anspruch zu nehmen? Und falls ja, warum?

Busch: Es muss in jedem Einzelfall genau geprüft werden, ob diese Finanzierungsmodelle zu den jeweiligen Zielen und Präferenzen des Kunden passen. Wir spiegeln und vergleichen in der Finanzierungsberatung die einzelnen Möglichkeiten und geben dann eine mit Zahlen und Fakten belegte Empfehlung, die in der vorgeschriebenen Beratungsdokumentation festgehalten wird.

 

Nachfrage: Welche Laufzeiten haben die KfW-Darlehen, und wie sieht es aus mit Sondertilgungen, verfrühter Komplett-Rückzahlung und so weiter?

Busch: Jetzt wird es leider sehr unübersichtlich. Es sind viele Varianten und Kombinationen mit Laufzeiten von zehn bis 30 Jahren möglich. Auch wurde das Thema Sondertilgung und vorzeitige Rückzahlung für das Programm 153 zum 17. April 2018 neu geregelt. Im Programm 124

Zum Beispiel ist es schon seit längerer Zeit nur gegen eine Vorfälligkeitsentschädigung für außerplanmäßige Tilgungen im Falle eines Verkaufes der Immobilie möglich gewesen.

 

Lohnen sich die zinsvergünstigten KfW-Kredite angesichts der allgemein niedrigen Zinsen derzeit überhaupt?

Busch: Auch diese Frage lässt sich pauschal nicht mit Ja oder Nein beantworten. Für das Wohneigentumsprogramm (Programm 124) zeigt sich in den letzten Monaten eher die Situation, dass die Hypothek einer Bank günstiger ist.

Anders ist es in den Energieeffizienzprogrammen. Hier wird der zunächst vergleichsweise hohe Zinssatz durch die Tilgungszuschüsse von maximal 5.000,  10.000 oder 15.000 Euro quasi „bereinigt“.

Vergleicht man ein Hypothekendarlehen bezüglich der Restschuld am Zinsbindungsende mit dem KfW-Kredit im Programm 153, ist bei gleichem monatlichem Aufwand häufig der KfW-Kredit günstiger.

 

Gibt es weitere Fördertöpfe auf der Ebene der Bundesländer, Kreise und Kommunen? Und wie erfährt man von diesen?

Busch: Ja, davon gibt es einige. Die wichtigsten sind die Landesbauförderungen der einzelnen Bundesländer, die teilweise auch aus KfW-Mitteln des Wohneigentumsprogramms gespeist werden.  Allerdings sind hierbei Einkommensgrenzen und Belastungsobergrenzen sowie die Vergabe nach sozialen Kriterien zu beachten. Und dann gibt es noch das sogenannte „Wohn-Riester“. Auch das neu angekündigte „Baukindergeld“ könnte ein weiterer Baustein zur Hausfinanzierung werden. Sehen wir ´mal, was und wie unsere neue Bundesregierung dazu entscheiden wird.

 

Raten Sie aus Ihrer Erfahrung heraus auch ´mal generell davon ab, irgendwelche Fördergelder in Anspruch zu nehmen?

Busch: Nein, ohne individuelle Prüfung sollte kein Bauherr Fördergelder ausschlagen.

 

Haben Sie für unsere Leser weitere ultimative Tipps, was man im Zusammenhang mit seiner Baufinanzierung tun und auf gar keinen Fall tun sollte?

Busch: Man sollte sich nicht von allzu plakativ herausgestellten „Super-Günstig-Zinsen“ blenden lassen, sei es im Internet oder im Schaufenster eines Kreditinstitutes. Denn wie gesagt, geht es stets darum, aus verschiedenen Lösungsansätzen das individuell beste Finanzierungsmodell aufzustellen.

 

Zum Schluss noch eine spannende Frage nach der künftigen Zinsentwicklung: Ist es Kaffeesatzleserei oder können Sie eine seriöse Aussage dazu treffen, wann und wie stark sich die Bauzinsen wieder nach oben bewegen werden?

Busch: Oh, jetzt benötigen wir tatsächlich die große „Glaskugel“. Stellen wir uns aber einmal die Frage, woher kommen den die Zinsen?

Nun – die Vorgaben kommen aus unterschiedlichen Bereichen, etwa aus Frankfurt – von der EZB und deren Geldmarktpolitik.

Abgeleitet aus Konjunkturprognosen zum nationalen, europäischen und globalen Wirtschaftswachstum gibt es Vorgaben der Europäischen Zentralbank. Dazu kommen „Störfeuer“ aus den USA mit drohenden Handelskriegen, die zu einem Exportrückgang in Deutschland und ganz „Euroland“ führen können. Und das alles bei einem extrem niedrigen Zinsniveau bereits seit längerer Zeit. Das führt eigentlich zu Inflation. Doch diese ist kaum bemerkbar, was in erster Linie der Globalisierung und Digitalisierung zu verdanken ist. Daher – so die allgemeine Expertenmeinung –  werden wir noch etwas Zeit vor uns haben, bis ein moderater Zinsanstieg zu erwarten ist. Hier ist häufig von Ende 2019 als Zeitpunkt eines Anstiegs zu lesen.

 

Herr Busch, wir danken Ihnen und wünschen weiterhin viel Spaß und Erfolg bei Ihrer Arbeit.

Unser Finanzsexperte Herr Busch ist regelmäßig an unseren Hausbau-Infotagen vor Ort im Werk in Schlüchtern.
Ausführliche Infos zu den einzelnen Förderprogrammen: www.kfw.de

 

Jörg Gottschling

Jörg Gottschling

Chronischer Querdenker im #Hashtag-Fieber, aktiver Blogger & Digital Native auf der Suche nach dem Mehr im Alltag.
Jörg Gottschling