Der Frühling ist da und alle drehen durch: Die Sonne scheint endlich wieder. Es wird wärmer. Die Winterdepression verfliegt und alles wird in eine außerordentliche Heiterkeit gehüllt. Ja, man kann ihr nicht entkommen, dieser Jahreszeit, in der die Blumen wieder sprießen, sogar bunt blühen und der Mensch aus seinem winterlichen Schneckenhaus mit blasser Haut und dickem Bauch herauskommt.

Doch freut sich wirklich jeder? Das bezweifeln wir, ja merken es gar am eigenen Leib. Und deswegen möchten wir euch hier fünf Gründe nennen, warum der Frühling doch nicht so toll ist, wie alle immer denken.

 

Blasse Haut

Wandelnde Tote streifen durch die Straßen. Natürlich sind sie nicht tot, sondern vielmehr erwacht: Die Menschen. Doch wer nicht gerade ein rothäutiger Solariumgänger mit Dauerkarte ist, dem steht der Winter ins Gesicht geschrieben: Blass und bleich sind ihre Gesichter, tief sind die Augenringe und füllig ihre Wangenknochen. Der kalte, nasse Winter hat seinen Tribut verlangt und der Mensch hat ihn notgedrungen gezollt. Nun, nach all den Monaten der Versenkung in den Stuben und Wohnräumen, kehren die Menschen wieder raus in die Natur und suchen nach neuer Sonnenenergie für ihre wehleidigen Körper.

 

Keine Ausrede mehr!

Ich habe es eingangs schon erwähnt und wir müssen es alle irgendwie zugegeben: Der Winter hat uns gehen lassen – aufgehen, um genauer zu sein. Doch der Winterspeck muss runter, das wissen wir alle. Bisher hat man sich jedoch noch herausreden können. „Es sei noch zu kalt“, hätte man gesagt. „Wenn der Frühling kommt, gehe man laufen“, habe man versichert. Und nun? Nun ist er da, der Frühling und die Ausrede ist keine mehr. Nun hilft es nicht. Hoffentlich sind wenigstens die Sportschuhe vom Hund zerfressen. Dann kann man nochmal um eine Woche verzögern…

 

Alle haben eine rosarote Brille

Die Hormone hüpfen im Dreieck. Kein Wunder, denn mit den ersten Sonnenstrahlen wird auch die Mode freizügiger. Obendrein treibt es den Couch Potato raus aus dem Haus und hinein in die Gesellschaft. Der Park, die Innenstädte als Naherholungsgebiete werden von Menschenmassen erschlossen, die shoppend, tratschend und Händchen haltend die winterliche Ruhe entzaubern und zu einem stressigen urbanen Jahrmarkt entwickeln.
Ja, der Frühling bringt die Gefühle in Wallung. Überall lauern frisch Verliebte. Sie knutschen, sie kuscheln, sie wollen penetrant und ungefragt ihr junges Glück kundtun. Man selbst muss hingegen stehen bleiben, weil die Parkbänke besetzt und die Cafés gefüllt sind. Ja, das Wetter ist toll, doch wo soll man es genießen bei diesem Andrang?

 

Grill-Saison

Der Gourmet, der sich noch in den kalten Tagen durch deftig-kulinarische Ergüsse sättigte, wird nun gemeinsam mit dem Frischluft-Fanatiker auf eine harte Probe gestellt. Denn kaum blitzen und funkeln die ersten Sonnenstrahlen aus dem trüben Wolkenmeer hervor, ruft der hormongetriebene Brunftmann heraus: „GRILLSAISON!“ Und schon versammeln sie sich in den Gärten, zerlegen ihr frisch gejagtes Supermarktvieh und werfen die Kohlen an. Gleich der Schornstein-Skyline eines mittelgroßen Ruhrpott-Städtchens der 50er Jahre werden aus den gerade erblühenden Hinterhaus-Paradiesen hochindustrielle Fleischbratbetriebe und verpesten die frische Frühlingsluft – und die Vorstadtnachbarschaft, die Einfamilienhaus-Siedlung wird zu einem dampfenden Räucherkessel.

 

Verzwitschert und zugenäht

Es reicht ja nicht, dass der Wecker einem morgens die Gehörgänge pulverisiert. Nein, die Vöglein sind wieder da und schalmeien frohlockend ihre Ankunft. Im Frühling kann man diesem Gezwitscher nicht mal mehr in den urbanen Ballungszentren entkommen. Und kennt der Wecker noch ein Wochenende, kennt der Vogel nur den Paarungsauftrag.  Nein Sir, auch wegen dem ach so schönen Vogelgesang ist der Frühling bestimmt nicht die Beste aller Jahreszeiten.

 

Der Frühling ist doch ganz okay

Natürlich ist dieser Text eine Satire und wir meinen das alles gar nicht so. Ab seien wir doch mal ehrlich zu uns selbst: Irgendwie finden wir selbst bei den schönsten Dingen immer einen Makel, einen Ansatzpunkt, der zum Meckern einlädt.

Nehmen Sie diesen Beitrag also mehr als eine Motivation alles nicht so eng zu sehen. Entspannen Sie sich mal wieder und erfreuen Sie sich auch an den Dingen, von denen Sie dachten, dass sie nerven. Und plötzlich, in all der neugewonnenen Lockerheit werden Sie merken, dass das Sie sogar langsam bereit sind für die brütend warme Sommerhitze mit ihren aggressiven Spätsommer-Wespen und den blutsaugenden Mücken…

Jörg Gottschling

Jörg Gottschling

Chronischer Querdenker im #Hashtag-Fieber, aktiver Blogger & Digital Native auf der Suche nach dem Mehr im Alltag.
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